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Persönlicher Einblick

Mein Sommer-Muster: Wenn Licht und Schlafmangel kippen lassen

3 min read

Dies ist ein persönlicher Erfahrungsbericht, kein medizinischer Ratschlag. Details wurden zum Schutz meiner Anonymität verallgemeinert.

Lange dachte ich, meine schlimmsten Momente kämen aus dem Nichts. Ein Gedanke, der plötzlich zu real wird. Das Gefühl, verfolgt zu werden. Eine Angst, die sich nicht wegargumentieren lässt, obwohl ein Teil von mir genau weiß: Das ist wahrscheinlich nicht echt.

Erst rückblickend, als ich anfing, diese Episoden aufzuschreiben, wurde das Muster sichtbar.

Immer dieselben Zutaten

Zeltlager im Sommer. Festivals mit wenig Schlaf, viel Licht, viel Lärm. Eine Fernwanderung mit wochenlanger Überstimulation. Jedes Mal dieselbe Kombination: viel Licht, zu wenig Schlaf, zu viele Reize, über zu lange Zeit. Und jedes Mal, ein bis zwei Tage später, kippte etwas in mir.

Nie spontan, immer mit erkennbarem Auslöser. Das war die wichtigste Erkenntnis für mich: Es gibt keine geheimnisvolle Zeitbombe in meinem Kopf, die willkürlich hochgeht. Es gibt eine Belastungsgrenze, die unter bestimmten Bedingungen erreicht wird – und außerhalb dieser Bedingungen eben nicht.

Was in diesen Momenten passiert

In den schlimmsten Phasen hatte ich das Gefühl, beobachtet zu werden. Gedanken, dass sich Dinge gegen Menschen richten, die mir wichtig sind. Manchmal auch Inhalte, die im Nachhinein fast surreal klingen. Das Besondere daran: Ich wusste in dem Moment meistens rational, dass es wahrscheinlich nicht stimmt. Aber ein Teil von mir konnte es nicht mit Sicherheit ausschließen. Das ist etwas anderes als der vollständige Realitätsverlust, den man mit "Psychose" oft verbindet – eher eine Angst, die unter extremem Stress die Kontrolle übernimmt, während ein Beobachter in mir wach bleibt.

Ich sage das nicht, um es kleinzureden. Die Angst in diesen Momenten war real und beängstigend. Aber es hat mir geholfen, den Unterschied zu verstehen zwischen "etwas, das jederzeit passieren kann" und "etwas, das unter sehr spezifischen Bedingungen entsteht und das ich mitgestalten kann".

Reize, die für andere harmlos sind

Als neurodivergenter Mensch verarbeite ich Reize offenbar anders – gerade Licht und den eigenen Schlaf-Wach-Rhythmus betreffend. Was für andere ein schöner, heller Sommertag ist, kann für mich, in Kombination mit Schlafmangel, zu echter Überstimulation werden. Das ist keine Schwäche, aber es ist eine Information, die ich lange nicht hatte – und die mein Leben seitdem verändert hat.

Was ich heute anders mache

  • Ich behandle Sommer nicht mehr wie jede andere Jahreszeit. Wenn viel Licht, wenig Schlaf und viele Reize zusammenkommen, wird es riskant für mich.
  • Ich schütze meinen Schlaf konsequenter, besonders bei Festivals, Camps oder langen Reisen.
  • Ich spreche das Muster offen mit meinem Behandlungsteam an – nicht als Diagnose, die mir gestellt wird, sondern als Beobachtung, die wir gemeinsam einordnen.
  • Ich erlaube mir, Dinge abzusagen oder anders zu planen, wenn ich merke, dass die Bedingungen für mich riskant werden.

Das Wichtigste, was ich gelernt habe: Ein hohes Risiko ist nicht dasselbe wie Kontrollverlust. Wenn ich meine Auslöser kenne, kann ich vorbeugen – nicht perfekt, aber besser als vorher, als ich dachte, es träfe mich einfach willkürlich.

#Neurodivergenz#Selbstbeobachtung#Erfahrungsbericht